Wir trauern um Josef Göppel

Mit Bestürzung und tiefer Traurigkeit haben wir von dem unerwarteten Tod unseres Kuratoriumsmitgliedes Herrn Josef Göppel erfahren.

Wir fühlen uns geehrt, dass wir Herrn Göppel von Beginn an als Mitglied des Stiftungskuratoriums gewinnen konnten. Seine Jahrzehnte lange Expertise als Umweltpolitiker und die damit verbundenen Aktivitäten sowie sein Engagement als Vorsitzender des Vorstands Stiftung Deutsche Landschaften sehen wir als einen außerordentlichen und wertvollen Beitrag für unsere Stiftung an.

Unser Mitgefühl gilt Familie Göppel und deren Angehörigen.

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für Sprengmeister: Beruf muss stärker in den Fokus rücken

Die „Stiftung kampfmittelfreier Lebensraum“ (SkL) freut sich über die Würdigung für Sprengmeister Andreas West mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – dem Bundesverdienstkreuz. „Herr West hat sich in mehr als 30 Jahren für die Sicherheit der Menschen und für Lebensräume frei von Kampfmitteln eingesetzt“, sagt SkL-Sprecher Günter Westrup und er ergänzt: „Für die Anerkennung dieser großartigen Lebensleistung gratulieren wir im Namen der Stiftung von Herzen.“ Die Auszeichnung müsse aber auch Anlass sein, den Beruf, den West ausübt, stärker in den Mittelpunkt zu rücken und Nachwuchskräfte für diese anspruchsvolle Tätigkeit zu fördern.

Der berufliche Werdegang von Andreas West in der Fachrichtung Kampfmittelräumung begann kurz nach der Wiedervereinigung. Seine Ausbildung zum Meister absolvierte der heute 63-Jährige an der Dresdener Sprengschule 1991. Nach kurzer Zeit übernahm er die Verantwortung als Leiter des Kampfmittelräumdienstes für Ost- und Westthüringen. Neben unterschiedlichen leitenden Funktionen ist der Sprengmeister nach wie vor bei der Beseitigung von Kampfmittelrückständen im Einsatz. 100 Blindgänger hat West während seiner Karriere erfolgreich entschärft. Dennoch bleibt der erfahrene Kampfmittelexperte bescheiden. „Alleine kann ich gar nichts. Diese Würdigung gehört unserem gesamten Team“, sagt der Bundesverdienstkreuzträger.

Wie West betont, kann Kampfmittelräumung nur erfolgreich sein, wenn eine Mannschaft vertrauensvoll zusammenarbeitet. Wichtige Voraussetzung für den Beruf sind die seelische und körperliche Gesundheit. Einige der deutschlandweit tätigen Fachkräfte hat West selbst mitausgebildet. Eine Tätigkeit, die dem Thüringer wichtig ist. Gleichzeitig sorgt er sich. Denn immer weniger junge Menschen wollen in seine Fußstapfen treten. Dabei ist der Bedarf bereits sehr groß.

„Wir brauchen dringend neue gut ausgebildete Experten“, erklärt Günter Westrup. Nur mit einem systematischen Ausbau der Fort- Weiterbildung ließe sich die Herausforderung, kampfmittelfreie Lebensräume zu schaffen, erreichen. Im Zweiten Weltkrieg wurden circa 2 Mio. Tonnen Bomben auf deutschen Boden abgeworfen. In etwa ein Viertel sind Blindgänger. „Das verdeutlicht, dass wir noch lange mit Entschärfungen werden leben müssen. Und dann müssen Fachleute schnell vor Ort sein und die Gefahr beseitigen“, sagt Westrup. Um dies zu gewährleisten, müssten Verantwortliche jetzt handeln und die Weichen für Förderung von Nachwuchskräften stellen.

Arbeitgeberinitiative setzt sich für neue Berufsausbildung in der Kampfmittelräumung ein

Das Thema wird für die Gesellschaft immer dringlicher: Es ist höchste Zeit, Strukturen zu schaffen, um junge Menschen beruflich zur Kampfmittelräumung zu führen und sie fachlich gut auszubilden. „Aus unserer Sicht eignet sich dazu am besten ein dualer Ausbildungsberuf, um den Qualifikationsbedarf abdecken und die Fachkräftelücke schließen zu können“, sagt Günter Westrup, Sprecher der Stiftung kampfmittelfreier Lebensraum. Aus diesem Grund kamen jetzt rund 20 Vertreter:innen aus Unternehmen der Kampfmittelräumung, Verbänden, Ingenieurbüros und Ministerien zusammen. Stephanie Bergmann, Koordinatorin der Stiftung, begrüßte die Fachleute jetzt zum Auftakttreffen in Erfurt.

Ziel der Zusammenkunft war es, einen Anstoß zu geben, um künftig eine Ausbildung mit dem möglichen Titel „Technischen Fachkraft für Kampfmittelräumung“ zu ermöglichen. Es müssen noch viele Fragen geklärt werden, wie: Welche Inhalte sind für eine fachgerechte Ausbildung maßgeblich? Welche Kompetenzen sind für eine zukünftige Fachkraft relevant? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind zu klären? Dafür wurden jetzt Informationen aus allen Bereichen gesammelt und sondiert. Weitere Arbeitstreffen werden noch folgen. „Der heutige Tag war ein guter für die Kampfmittelräumung“, betonte Stephanie Bergmann. Die Workshop-Teilnehmer hätten nun die ersten Weichen gestellt. „Jetzt müssen wir am Ball bleiben und unser Vorhaben weiter vorantreiben“, ergänzte -Simon Gremmler, Fachbereichsleiter Fortbildung.

Neuer Stiftungssitz soll Zusammenarbeit fördern

Die „Stiftung kampfmittelfreier Lebensraum“ (SkL) hat ihren Sitz verlegt. Sie ist nun an der Alfred-Hess-Straße 40 in Erfurt ansässig. In unmittelbarer Nähe befinden sich das Erfurter Messegelände sowie das Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales.

Unter dem gleichen Dach firmiert auch der Verein Güteschutzgemeinschaft Kampfmittelräumung Deutschland (GKD), der jüngst von Sachsen nach Thüringen umgezogen ist. „Wir freuen uns sehr, eine Bürogemeinschaft mit der GKD hier in Erfurt bilden zu können“, sagt Günter Westrup, Sprecher der Stiftung. Es gebe viele gemeinsame Schnittmengen und Tätigkeitsfelder. „Das fördert die Zusammenarbeit“, so Westrup.

Auf dem Foto: Sie freuen sich auf gemeinsame Projekte (v.l.): Thomas Hennicke (Geschäftsführer GKD), Stephanie Bergmann (Koordinatorin SkL) und Jürgen Plum (Vorstandsvorsitzender GKD)

Stiftungsarbeit nimmt Fahrt auf

Die „Stiftung kampfmittelfreier Lebensraum“ treibt Lösungen ihrer Ziele weiter voran. Davon hat sich Kuratoriumsmitglied Prof. Johannes Preuss bei seinem Besuch am Testfeld für Kampfmittelräumung in Greven persönlich überzeugt. Im Fokus stand die Förderung des Nachwuchses.

Es ist eins der wichtigsten Anliegen der „Stiftung kampfmittelfreier Lebensraum“: Neuen Fachkräften eine berufliche Perspektive aufzuzeigen und sie für die verantwortungsvollen Aufgaben auf höchstem Niveau auszubilden. Denn junge Menschen sollen und müssen künftig personelle Lücken füllen, die zurzeit noch ältere Spezialisten ausfüllen.

Diejenigen, die Munitions- und Rüstungsreste bergen und sicher entschärfen, werden auf lange Sicht zu wenig. Dabei ist der Bedarf enorm und wird weiterhin groß ausfallen. „So wie es momentan aussieht, wird es noch weitere 76 Jahre Munitions- und Bombenfunde geben“, sagte Prof. Preuss. Hintergrund sei auch, dass es momentan keine systematische Kampfmittelsuche gebe, sondern dass diese nur anlassbezogen stattfinde. „Und es fehlt an Personal“, betonte der Forscher.

Ohne frische Kräfte ist die Sicherheit von Mensch und Natur durch die Kriegsaltlasten hierzulande gefährdet. Die Stiftung setzt sich dafür ein, ein solches Szenario zu vermeiden. „Wir erreichen das nur mit gutem Personal und ausreichender Manpower“, sagte Günter Westrup und ergänzte: „Wir müssen jetzt dringend handeln, damit wir junge Menschen für diese Aufgaben interessieren.“ Man wolle personelle Engpässe unbedingt verhindern. „Das Berufsfeld bietet viele Möglichkeiten. Das wollen wir künftig noch stärker kommunizieren und diese Chancen aufzeigen.“

Das Heranführen junger Menschen an die gesuchten Berufsbilder ist das eine. Dafür wurden bereits Stipendienprogramme aufgelegt. Ein weiterer Baustein ist die Investition in moderne Schulungsmethoden. Auch hier ist die Stiftung kampfmittelfreier Lebensraum aktiv. In Planung ist die Errichtung eines Schulungszentrums am Versuchsfeld in Greven. Hier sollen sich Geophysiker und künftige Kampfmittelspezialisten künftig mit allen modernen Methoden für diesen Beruf intensiv vertraut machen. Ein erster Schritt, nach dem es weiterhin viel zu tun gibt.

Erfahren Sie mehr über die Förderung von Nachwuchskräften

Den Rauschenberg zurückgewinnen

Naturschutz und Kampfmittelräumung arbeiten Hand in Hand

Stück für Stück arbeiten sich Kampfmittelräumer seit Anfang 2021 am Rauschenberg in Hessen voran. 27 Hektar Wald werden sie in den kommenden Monaten sondieren. Ohne die Hilfe eines Artenschützers kämen sie kaum voran.

Das Naherholungsgebiet in der Nähe von Fulda hat bei den Menschen in der Region einen hohen Stellenwert. „Der Rauschenberg ist für unsere Gemeinde, aber auch für die ganze Stadtregion Fulda ein sehr wichtiges Ausflugsziel“, sagt Sebastian Kircher, Pressesprecher der Gemeinde Petersberg. Da das Waldgebiet, mit zahlreichen Spazierwegen, nah an verschiedenen Wohngebieten liege, sei es gerade in Corona-Zeiten eigentlich ein wichtiger Anlaufpunkt. Doch erst wenn es wieder frei von Kampfmitteln ist, dürfen Spaziergänger und Sportler das Waldgebiet wieder frei betreten.

Nachdem Bauarbeiter im Herbst 2017 scharfe Munition aus dem Zweiten Weltkrieg unter der Erdoberfläche des Rauschenbergs gefunden hatten, wurde das Waldgebiet gesperrt. „Durch die Nähe des Rauschenbergs zum Hauptbahnhof Fulda ist bekannt, dass diese Region stark bombardiert wurde“, sagt Kircher und er ergänzt: „Dass die Gefahren allerdings so nah liegen, war eine Überraschung.“

Munition lässt sich beseitigen. Und das lässt sich gut planen. Schwierig kann das jedoch werden, wenn zusätzliche Probleme auftauchen. So wie am Rauschenberg im Jahr 2019. Der Wald wurde krank. So krank, dass er für die Menschen zusätzlich zur Gefahr wurde. „Plötzlich waren nicht nur die Kampmittel ein Problem, sondern auch instabile Bäume.“ Die Gemeinde sperrte daraufhin das gesamte Waldgebiet. Übrig blieb nur der Rundwanderweg um den Rauschenberg – ein asphaltierter Weg, weit genug entfernt von den betroffenen Bäumen.

Um das beliebte Ausflugsgebiet schnellstmöglich wieder zugänglich zu machen, mussten die Verantwortlichen einen noch detaillierteren Plan entwickeln, als ursprünglich angedacht. Die Herausforderung dabei: die Balance zwischen Kampfmittelräumung und Naturschutz zu finden. „Denn beide Komponenten bedingen sich“, erklärt Kircher. „Die Kampfmittelräumer konnten nicht in den Wald wegen möglicher Gefahren durch die Bäume. Die Förster nicht wegen der Blindgänger.“ Eine intensive Projektplanung startete. „Es war nicht einfach, entsprechende Partner für dieses Projekt zu finden“, so Sebastian Kircher.

Doch jetzt geht es voran. Und es geht Hand in Hand. Um die artenschutzgerechte Umsetzung kümmert sich Matthias Müller. Regelmäßig ist der und Naturschützer auf dem Areal unterwegs und verschafft sich einen Überblick. Denn Flora und Fauna geben die Herangehensweise vor. „Da sich die Arbeiten über eine lange Zeit ziehen, müssen wir den Rhythmus der Tiere zu den verschiedenen Jahreszeiten beachten“ erklärt Matthias Müller. Der 57-Jährige ist selbstständiger Arten- und Naturschutzgutachter und studierter Biologe. Er kennt den Rauschenberg und weiß, dass dort Tiere leben, die unter die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie fallen. „Beispielsweise die Haselmaus oder verschiedene Fledermausarten.“ Aus Rücksicht auf sie steht der Biologe in engem Kontakt mit dem Bauleiter. Wir schauen, wo Hecken entfernt werden müssen, damit die Sondierungsarbeiten für die Kampfmittelräumung möglich sind und schaffen entsprechend neue Rückzugsorte.“ Reisighaufen und Benjeshecken bieten sich dafür an.

Auf der anderen Seite kommt Müllers Tätigkeit auch den Bauarbeitern zugute. Er hat für sie alle Bäume markiert, die von der Buchenkomplexkrankheit betroffen sind. Dadurch wissen die Kampfmittelräumer, wo Vorsicht geboten ist. „Es ist ein sehr komplexes Projekt, das die gesamte Ökologie des Rauschenbergs im Blick hat und nur im engen Austausch miteinander funktioniert“, betont Müller. Er freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit den Kampfmittelräumern in den kommenden Monaten und ist sich sicher: „Stück für Stück werden wir den Rauschenberg wieder zurückgewinnen.“ Für die Menschen in der Region ist das eine gute Nachricht.

Fotos: Gemeinde Petersberg, David Nüchter (Hessen Forst)